Historische
Blitzlichter
Einblicke in die Geschichte der Bregenzerwälder Männertracht
Historische Blitzlichter
Einblicke in die Geschichte der Bregenzerwälder Männertracht
Während über die Bregenzerwälder Juppe viel geforscht, dokumentiert und tradiert wurde, ist die Männertracht weitgehend im Schatten geblieben. Das hat vor allem einen Grund: sie verschwand schon vergleichsweise früh als Alltagstracht aus dem Bild des täglichen Lebens. Wann genau dieser Wandel stattgefunden hat, lässt sich heute kaum mehr eindeutig sagen – zu lückenhaft sind die Quellen. Klar ist jedoch, dass es auch innerhalb des Bregenzerwaldes regionale Unterschiede gab. So deutet manches darauf hin, dass die Männertracht im Hinterwald länger getragen wurde als im Vorderwald.
Als Laien möchte wir uns hier keine historische Aufarbeitung anmaßen. Vielmehr ist es uns ein Anliegen, im folgenden kleine Blitzlichter auf das zu werfen, was an Überlieferungen vorhanden ist – und damit zur Auseinandersetzung mit der Männertracht einladen. Diese historischen Stimmen geben Einblick in die damalige Bedeutung, das Erscheinungsbild und die Wahrnehmung der Männertracht – fragmenthaft, aber dennoch eindrucksvoll.
Pfarrer Joseph Hiller (Au, ca. 1894)
1894 hat Pfarrer Joseph Hiller anläßlich des 500 jährigen Pfarrjubiläums eine umfassende Pfarr- und Gemeindebeschreibung über Au im Bregenzerwals geschrieben und veröffentlicht. In diesem historischen Dokument beschreibt er neben der Juppe auch die Bregenzerwälder Männertracht. Nachstehender Text beschreibt die persönliche Sichtweise von Pfarrer Hiller welche keinen Anspruch auf historische Richtigkeit hat.
Whährend also das weibliche Geschlecht seine eigenthümliche Nationaltracht (Thal- und Dorftracht) bis in die neueste Zeit erhalten hat, ist dies bei den Männern nicht der Fall; dieselben costümieren sich mehr oder weniger modern.
Die nationale Tracht des männlichen Geschlechtes war ursprünglich folgende. Die Kopfedeckung bildete ein cilinderartiger haariger (pelziger) Filzhut von mittlerer Höhe und schwarzer Farbe, nach oben sich etwas erweiternd; etwa einen Zoll über der Krämpe schlang sich ein Sammitband herum mit einem Schloß und bei solchen, die es vornehmer geben wollten, eine mit Seide durchwirkte Goldborte mit Goldschloß und zwei Goldquasten. Charakteristisch für die männliche Tracht war die schwarze Zipfelkappe aus Seide oder Baumwolle mit einer schwarzen Quaste und mitunter durch rothseidene Querstreifen verziert. Dieselbe wurde theils mit und unter dem Hute, theils ohne Hut getragen. Eine rothe Weste zierte die Brust; bei offenem Gilet oder ohne dasselbe prangten die breiten ebenfalls rothen Hosenträger mit Querbändern und Verzierungen. Nach Art der Tiroler trugen die Männer breite, schwarzlederne Leibbinden (Gurte) mit allerlei Zierarten aufgenäht und mit den Anfangsbuchstaben vom Namen des Eigenthümers und der Jahrzahl geschmückt. Die schwarzen Lederhosen aus Fellen von Gemsen, Hirschen, Schafen, Böcken und dgl. reichten bis an die Knie und zeigten vorne manchmal Verzierungen. Der Festtags-Rock bildete das sogenannte Kamisol, ebenfalls bis zu den Knien reichend und aus kostbarem feinem Stoffe von dunkelbrauner Farbe bestehend; ein solches Kleidungsstück kostete circa 29 fl. für gewöhnlich frag man eine kurze Jaäcke („Schlutte“) zu Zeiten von weißer Farbe. Weiße Strümpfe und ausgeschnittene, niedrige Schuhe (Schnallen-Bund-Schuhe) oder „Wadenstiefel“ vollendeten diese malerische Tracht.
Pater Notker Curti O.S.B. (1930)
Ein aus Rapperswil stammender Priester und Naturwissenschaftler (1880-1949) hat im Jahrbuch des Vorarlberger Landesmuseumsvereins von 1930 einen umfassenden Artikel mit dem Titel „Die Männertracht im Bregenzerwald“ verfasst. Aufgrund der Länge sind nachstehende Ausführungen nur Auszugsweise zusammengekürzt.
Leider ist sie längst nicht mehr lebendig, und ihre letzten Reste, die schon vor vielen Jahren verschwanden, konnte man kaum mehr mit vollem Recht eine Tracht nennen. Nicht nur in Vorarlberg läßt sich die Erscheinung beobachten, daß die Frauentrachten langlebiger sind als die der Männer. Der Gründe dafür gibt es gar viele. Gewöhnlich kommt der Mann eher als die Frau in fremde Länder oder Landschaften, wo seine auffallenden Kleider ihm nachgerade lästig werden. Und besonders im Wald, wo früher jeden Frühling scharenweise Männer besonders als Maurer und Gipser in die Fremde zogen, dürfte dieser Grund schwer in die Waagschale fallen. Auch das Militär bleibt nicht ohne Einfuß. Schon beim Einrücken wird ein Trachtenmann von der Seite angeschaut, als einer, der zehn Stunden hinter dem Walde zu Hause ist. Es folgen die Dienstjahre, in denen er sich an andere Kleider gewöhnt, und fährt er endlich heim, kann er sich nicht mehr entschließen, die alte Mode mitzumachen. Außerdem sind seit mehr als 100 Jahren die Modekleider in der Männerwelt so auf reine Nützlichkeit und Bescheidenheit in Farbe und Schnitt eingestellt, daß eine bunte altertümliche und ich kostspielige Männertracht ihr gegenüber zum vornherein im Nachteil ist. Deshalb sind viele Männertrachten längst verschwunden selbst in Tälern, wo sich die weibliche Tracht gut und durchgehend erhalten hat. Und trotzdem ist man überrascht, wenn man sieht, wie früh sich die Wälder der herrschenden Mode zugewandt, zu einer Zeit, Inder der Wald noch recht abgelegen und verhältnismäßig schwer zugänglich war.
Pfarrer Joh. Jakob Brändle (Krumbach, 19. Jh.)
In der Pfarrchronik der Pfarre Krumbach hat Pfarrer Joh. Jakob Brändle eine Überlieferung von Franz Raid (1792-1855) verschriftlicht. Nachstehend ein Auszug.
Nach Angabe des Franz Raid, eines 74jährigen Greissen von Mittelkrumbach, ging in älteren Zeiten die hier unten beschriebene Kleidertracht im Schwange. Verheiratete Mannspersonen: Kopfbedeckung: Diese bestand zur Winterzeit aus einer Pelzkappe, gewöhnlich Murmelkappe genannt, an deren vordern Seite die Stülpe meistens mit Flaschen Goldbörtlein verbrämt war. Im Sommer trugen sei großenteils kleine Filzhütchen mit einer kleinen Kupfe. Halszierde: Diese war sehr einfach, ein Kreppflor. Leibwäsche: Das Hemd hatte bloß ein kleines, fingerbreites Halsband, den Hemdschlitz trugen sie der Ehrbarkeit wegen nicht auf der Brust, sonder auf dem Rücken, wie es die Alten, besonders an den Werktagen jetzt noch üben. Brust und Leibbedeckung: Über dem Hemd trugen sie meistens drei Finger breiten Hosenträger, ein langes Brusttuch über den ganzen Bauch herab, einen ledernen Gürtel, der gewöhnlich einen Schuh breit war und zwei Schnallen hatte. Rock und Kamisol, an dessen Ärmeln hinten der Hand lange, weite Stulpen herabhingen. Beinkleid: Diese bestand aus grauem, wollenen Tuche, oder schwarz gefärbtem Leinwand, Zwillich, kümmerlich über das Gesäß heraufreichend. Fußbedeckung: Diese machten meist weißwollene Strümpfe und grobe, aber Starke Riemenschuhe aus.
Historische Grundlagen
Zeitzeugen in Gemälden
Als die Fotografie im 19. Jahrhundert allmählich Einzug in den Alltag hielt, war die Bregenzerwälder Männertracht vielerorts bereits aus dem täglichen Leben verschwunden. Besonders im Vorderwald wurde sie schon früh nur noch zu besonderen Anlässen getragen oder gar ganz abgelegt – lange bevor fotografische Aufnahmen zur gängigen Praxis wurden. So gibt es nur wenige authentische Fotos, die Männer in vollständiger Wäldertracht zeigen. Gerade deshalb kommen historischen Gemälden und Zeichnungen ein besonderer Wert zu: Sie geben uns einen seltenen visuellen Einblick in das Erscheinungsbild der damaligen Zeit. Einige dieser Werke sind bis heute erhalten und dienen als wertvolle Quelle für die Rekonstruktion und das Verständnis der Männertracht. (Bildnachweis: egg museum)
Historische Grundlagen
Zeitzeugen in der Fotografie
Nachstehend sind Fotografien der Bregenzerwälder Männertracht zu sehen. Die Sammlung Risch-Lau und das Fotoarchiv Hiller aus Bezau sind eine schöne Dokumentation der Bregenzerwälder Männertracht ab dem Zeitalter der Fotografie. (Bildnachweis: volare, Sammlung Risch-Lau)